von Marianne Beierle
255. Todestag Hans Balthas Zimmermann, Klosterbaumeister in Mönchsdeggingen.
Viele Rieser Bauten gehen auf sein Wirken zurück
Am 20. Januar 1755 ist der geniale Rieser Baumeister Hans Balthas Zimmermann verstorben. Sein wohl bekanntestes Werk, der Kirchturm der Klosterkirche Mönchsdeggingen, wurde zu einem Wahrzeichen des gesamten Rieses. In historischen Zeitungsartikeln wird der etwa 60 Meter hohe, barocke Zwiebelturm als „Zeigefinger Gottes“, aber auch, fast schon ein wenig abwertend und ganz zu Unrecht, als „Zweidrittel-Daniel“ bezeichnet.
Aufzeichnungen seines Sohnes
Von dem gebürtig aus Unterkochen stammenden Hans Balthas Zimmermann ist nur bekannt, was einer seiner Söhne, der Mönchsdegginger Benediktinerpater Bernhard Zimmermann, in dessen dreibändiger Klosterchronik aufgezeichnet hat:
Der am 30. Januar 1682 in Unterkochen geborene und dort aufgewachsene Hans Balthas Zimmermann war gelernter Maurer, der später bei seinem Paten Hans Kiemayer auch noch die Müllerei erlernte. 1712 pachtete er die Mühle des Benediktinerklosters in Mönchsdeggingen und wurde schon ein Jahr später mit der frei gewordenen Stelle des Klosterbaumeisters betraut. Ein Rätsel bleibt bis heute, wo sich Hans Balthas Zimmermann seine Kenntnisse in Statik und die zeichnerischen Fertigkeiten angeeignet haben mochte, da er als Maurer und Müller sein Brot verdienen musste und nie Gelegenheit hatte, eine höhere Schule zu besuchen.
Dass er ein genialer Baumeister war, ist bis zum heutigen Tag unbestritten. Er baute 1717 die klösterliche Mühle, die noch heute ein Schmuckstück Mönchsdeggingens ist, von Grund auf ganz neu und fügte ein Sägewerk an, um das Holz für seine Bauten selbst schneiden zu können. Schon 1715 war er vom Abt Heinrich Werner mit dem Umbau oder teilweisen Neubau der Degginger Klosteranlagen betraut worden. Hans Balthas Zimmermann fertigte zuvor ein in Holz geschnitztes Modell, das leider bei der Säkularisation des Klosters 1802 verloren gegangen ist, wie so vieles andere auch.
Die feierliche Grundsteinlegung zum neuen Kloster fand sogar im Beisein des Abtes Amandus vom Benediktinerkloster Neresheim am 15. Juli 1715 statt. Am 19. Januar 1721 wurde der Grundstein zum neuen Turm gelegt. 1733 erst war der Turmbau nach mehreren Unterbrechungen wegen Geldnot vollendet.
Der Anlagenbau mit dem neuen, etwa 60 Meter hohen Turm wurde in der Form, wie er bis jetzt dem Auge geboten wird, durchgeführt. Der heutige Turm, an dem zwölf Jahre gebaut wurde, hatte zwei Vorgänger, die an der Westfassade der Kirche ihren Standort hatten. Was den Klosterbaumeister Hans Balthas Zimmermann bewogen haben mag, den Standort zu wechseln, darüber vermeldet die Klosterchronik nichts.
Klosterkirche Mönchsdeggingen
Natürliches Fundament
Wahrscheinlich war das ideale Baugelände maßgebend. Der Turm steht auf einem Felsmassiv, die vier Ecksteine wurden aus dem Naturfelsen herausgearbeitet, sodass das Bauwerk ein natürliches Fundament erhalten hat. Das Mauerwerk hat sich bis heute auch nicht um einen Millimeter gesenkt.
Hans Balthas Zimmermann war dreimal verheiratet. Die dritte Ehe wurde von seinem eigenen Sohn, dem Chronisten Pater Bernhard Zimmermann, eingesegnet. Hans Balthas Zimmermann starb am 20. Januar 1755 im Alter von 73 Jahren und wurde westlich von seinem Turm an der Nordwand der Kirche begraben. Sein Grabmal ist zur Unkenntlichkeit verwittert und wurde bei der Renovierung 1952 aus der Turmwand entfernt.
Der Turm der Klosterkirche Mönchsdeggingen, sein prachtvollstes Werk, wurde nach dem Bau erstmals 1866 durch die Herrschaft Wallerstein für 600 Gulden renoviert. Weitere Renovierungen fanden 1952 und 1975 durch die Kongregation der Mariannhiller Missionare statt. Die Klostermühle wurde 1935 unter dem damaligen Klostermüller Michael Bauer und später 1983 von Hugo Bauer renoviert.
Auch die heutige Mönchsdegginger Dorfkirche St. Georg ist von Hans Balthas Zimmermann geschaffen. Im 30-jährigen Krieg wurde die damalige Dorfkirche sehr mitgenommen. Alles konnte wieder einigermaßen hergerichtet werden. Im 18. Jahrhundert aber musste das Kirchenschiff dann von Grund auf erneuert werden.
Der Klosterbaumeister Zimmermann ließ 1720 die alte Kirche abtragen und errichtete an ihrer Stelle das heutige Gotteshaus. Renovierungen fanden 1868, 1899, 1954 bis 1956 sowie in den Jahren 1968 und 1990 statt.
Der Stadel vom nahen Benediktinerkloster Neresheim wurde 1717 ebenfalls vom Mönchsdegginger Klosterbaumeister erbaut.
Zusätzlich hat Hans Balthas Zimmermann im Jahre 1731 den Pfarrhof zu Magerbein sowie die Kirche und den Turm zu Utzmemmingen neu erstellt.
Beziehungen zum Fürst
Auch die Holzhofkapelle zu Hohenaltheim wurde unter ihm als Baudirektor geschaffen. Grundsteinlegung war 1749. Die Chronik berichtet, dass der Degginger Abt Heinrich (Abt von 1701 bis 1743, gestorben 8. Dezember 1744) sehr gute Beziehungen zum Fürsten Albrecht Ernst in Hohenaltheim hatte. (Die Lutheraner pflegten zu sagen: „Entweder wird der Degginger Abt lutherisch oder unser Fürst katholisch. Das Letztere hätte lt. Fürst wohl eher zutreffen können.) Der Fürst besuchte oft Deggingen, und der Abt war genauso oft Gast in Hohenaltheim. Kein Wunder also, dass der Degginger Klosterbaumeister auch einen Auftrag vom Fürsten erhielt. Der evangelische Fürst legte in seinem Testament fest, dass seinen katholischen Nachkommen nicht die Mitbenutzung der evangelischen Dorfkirche gestattet sei. Die katholischen Grafen von Oettingen-Wallerstein mussten also eine Hofkapelle errichten. Der Degginger Klosterbaumeister übernahm auch diesen sakralen Bau.
Die brennende Frage, „wie viele Bauhelfer jeweils an den verschiedenen Bauwerken beteiligt waren“, können wir heute leider nicht mehr beantworten. Aber zumindest für die zweite große Frage findet sich eine klare Antwort. War Hans Balthas Zimmermann ein Bruder oder sonstiger Verwandter des berühmten Dominikus Zimmermann? Diese Vermutung muss deutlich verneint werden. Unser bescheidener Balthas Zimmermann ist weder in einem Lexikon noch in Baufachzeitschriften zu finden. Sein Sohn, der Chronist Pater Bernhard Zimmermann, der uns die bekannten Informationen hinterließ, starb am 26. Dezember 1764 und wurde in der klösterlichen Gruft beigesetzt.
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